Es ist ja alles nicht so einfach. Zuerst beschwert sich unsereins monatelang, dass Winter und damit die Obst- und Gemüseauswahl so begrenzt ist, und dann ist auf einmal, quasi über Nacht, Frühling und die Stände am Karmelitermarkt biegen sich unter der Last an Spargel, Radieschen, Karotten, Salat, Rucola, Frühkraut, Erdbeeren, Kirschen, Rhabarber, Rhabarber und noch mehr Rhabarber. Und sobald dem so ist, weiß unsereins nicht, was zuerst kochen und was zuerst backen. Da sammelt unsereins den ganzen Winter Rhabarberrezepte und wenn er dann endlich Saison hat, wissen wir nicht, welches Rezept wir auswählen sollen und eigentlich haben wir das Gefühl, dass keines den Erwartungen gerecht wird, die wir im langen, kargen Winter aufgebaut haben. Außerdem ist ja so: Als ich im Februar meine Rezeptemappe durchgeblättert habe, war ich überzeugt davon, dass sie ungefähr zu 90% aus Rezepten für Rhabarberkuchen und Erdbeerdesserts besteht – aber kaum ist die Saison da, zack, finde ich darin nur mehr Rezepte für Zucchini (die noch nicht zeitig sind) oder gar Weißkraut. Was soll das, bitte?

Jedenfalls wende ich mich in solchen Situationen immer gerne ans Internet. Das macht die Sache aber oft noch schlimmer. Es existieren wohl an die 7 Millionen Rezepte mit Rhabarber und das ist eigentlich untertrieben. In der ersten Frustration und wenn der Rhabarber dann schon ein paar Tage in der Küche liegt, sprich, er mittlerweile dringend verarbeitet werden muss, wird daraus ein Kompott. Da ich aber mit der Gabe gesegnet bin, alles immer ein bisschen zu viel und zu lang zu kochen, zerkoche ich jegliches Kompott mit großer Wahrscheinlichkeit. Weil ich mich in der Zwischenzeit dahingehend gut genug kenne, habe ich gelernt, mich auszutricksen: Ich nehme sehr wenig Wasser für das Kompott und wenn die Früchte dann zerkocht sind, mixe ich daraus mit dem Stabmixer ein Mus. Wisst ihr eigentlich, wie SAGENHAFT gut ein Apfel-Rhabarbermus ist?! Der Trick ist, relativ wenig Zucker zu nehmen, damit die Säure des pinken Gemüses (Rhabarber ist kein Obst, sondern zählt zum Gemüse) schön zur Geltung kommt.

Also: mit dem ersten Rhabarber machen wir Rhabarbermus. Und dann? Dann hat sich die Frühlingseuphorie gelegt und wir können uns an einen Rhabarberstreuselkuchen machen. Und dafür habe ich, ohne Übertreibung, dieses Jahr das allerbeste Rezept gefunden. Der Rhabarber dafür kommt vom Krautwerk, die haben einen Stand am Karmelitermarkt.

Das Originalrezept geht von ein bisschen mehr Rhabarber aus, als ich daheim hatte, also habe ich es erstens sowieso umgerechnet auf unser (sinnvolles, tolles, logisches) metrisches System und zweitens heruntergerechnet. Die Menge ergibt nun einen Kuchen in einer Springform mit 24 cm Durchmesser.

Rezept von smitten kitchen

Zutaten:

Teig:

  • 500 g Rhabarber
  • 230 g Zucker
  • 1/2 Teelöffel Zitronenzeste
  • 1 Esslöffel Zitronensaft
  • 100 g Butter (Zimmertemperatur)
  • 2 Eier
  • 145 g Mehl
  • 1 Teelöffel Backpulver
  • 1/2 Teelöffel Salz
  • 1 Messerspitze geriebener Ingwer
  • 70 g Sauerrahm

Streusel:

  • 110 g Mehl
  • 35 g brauner Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 Prise gemahlener Zimt
  • 50 g geschmolzene Butter

Zubereitung:

Rhabarber waschen, wenn notwendig schälen, und in 1/2 cm dicke Stücke schneiden. Rhabarberstücke mit 115 g Zucker, also der Hälfte, und Zitronensaft in einer Schüssel mischen und ziehen lassen.

Springform buttern, Ofen auf 180°C vorheizen. Darin den Butter für die Streusel schmelzen.

Butter mit der zweiten Hälfte Zucker verrühren, bis er weiß und flaumig ist, Zitronenzeste dazugeben und schließlich einzeln die Eier einrühren.

Mehl, Backpulver, Salz und Ingwer in einer Schüssel verrühren. Ein Drittel der Mehlmischung rasch unter die Butter-Ei-Mischung heben, anschließend die Hälfte des Sauerrahms unterrühren, dann ein weiteres Drittel der Mehlmischung, daraufhin den restlichen Sauerrahm und zum Abschluss das restliche Mehl.

Teig in die Springform geben, gleichmäßig verstreichen, Rhabarberstücke darübergeben (auch den Zucker-Rhabarbersirup, der sich in der Schüssel gebildet hat) und verteilen.

Mehl, Zucker, Salz und Zimt für die Streusel vermischen, geschmolzene Butter einrühren und diese Streuselmischung gleichmäßig am Kuchen verteilen.

50-60 Minuten lang backen und in der Form auskühlen lassen.