Cremespinat

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Heute ist Gründonnerstag, und gemäß katholischer Tradition heißt das, dass Spinat auf den Tisch kommt. Dass das “Grün” in Gründonnerstag von greinen, also wehklagen kommt, ist hinlänglich bekannt. Irgendwann hat man aber damit angefangen, es als Farbe zu verstehen, und damit passte Spinat gut in die Geschichte.

Dass ausgerechnet jetzt Spinat gegessen wird, könnte auch etwas damit zu tun haben, dass er eben derzeit wächst und gedeiht. Deswegen, so meine Vermutung, ist versucht worden, das Gericht in eine religiöse Tradition zu integrieren oder gar damit eine zu schaffen. Denn wir alle wissen: mit einer Geschichte macht vieles mehr Spaß und gibt eher Sinn. War das früher (wann war nur dieses ominöse früher?) meist mit Religion und Bräuchen verbunden, so wird diese Taktik heute beispielsweise in der Werbung angewendet. Ob Religion tatsächlich mehr Spaß macht, wenn man am Gründonnerstag Cremespinat isst, weiß ich nicht. Auch das mit dem Sinn geben bezweifle ich stark. Nicht abstreiten lässt sich, dass mir Cremespinat schmeckt.

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Und so begab es sich, dass mir diese Woche im abonnierten Biogemüsekistl Spinat zugestellt wurde. Deshalb gibt’s dieses klassische Gericht – nicht nur heute, auch an vielen anderen Tagen im Jahr. Gestern zum Beispiel. Als Begleitung auf dem Teller fungiert ein Spiegelei und Erdäpfelschmarren. Der Erdäpfelschmarren darf ein bisschen bunter ausfallen, neben “normalen” Erdäpfel der Sorte Ditta sind auch violette dabei. Diese waren vor einiger Zeit im Biogemüsekistl, allerdings kann ich mich nicht mehr erinnern, welche Sorte das ist. Das Beste am Erdäpfelschmarren sind die karamellisierten Zwiebel. Zwiebel zu karamellisieren heißt einfach, dass die fein geschnittenen Zwiebeln in ein bisschen Öl in einer großen Pfanne für eine ziemlich lange Zeit (etwa eine Dreiviertelstunde) bei recht niedriger Hitze geröstet werden.

Das Rezept für den Cremespinat habe ich aus dem Kochbuch “Österreich vegetarisch”; ich hatte allerdings nicht so viel Spinat zur Hand und habe deshalb die Menge entsprechend adaptiert. Das ergibt eine Hauptspeise für zwei Personen.

Zutaten:

  • gut 1/2 kg frischer Spinat
  • 1 EL Butter
  • 1 kleine Knoblauchzehe
  • Muskatnuss
  • 50 ml Obers
  • Salz
  • Pfeffer

Zubereitung:

Spinat waschen und Stiele entfernen. Gut abtropfen lassen bzw. trockenschleudern. In einem großen Topf Butter schmelzen und Spinat dazugeben. Knoblauch pressen, dazugeben. Eine großzügige Prise Muskatnuss hineinreiben. Salzen und pfeffern. Regelmäßig umrühren – der Spinat fällt schnell zusammen. Mit Obers aufgießen und kurz ordentlich aufkochen lassen. Vom Herd nehmen und mit einem Pürierstab pürieren. Fertig.

Radieschenblätterpesto

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Was ich am Selberkochen am meisten mag: die Verwertung der Zutaten vom Kopf bis zum Schwanz, oder in diesem Fall von der Wurzel bis zum Blatt. Damit liege ich voll im Trend, denn neuerdings wird nichts mehr weggeworfen, Innereien werden wieder gegessen, Köpfe ausgekocht, Schwänze geschmort – zumindest in der fleischlastigen Küche. Dem steht die Gemüseküche um nichts nach, und das Radieschen ist ein tolles Beispiel dafür. Außerdem sind Radieschen das neue Trendgemüse, lösen wohl sogar den heiligen Kale (Kohl) ab. Unglaublich!

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Jedenfalls werden für dieses Pesto die Blätter des gemeinen Radieschen verwendet. Dass diese gegessen werden können, war mir bis vor kurzem unbekannt. Euch wahrscheinlich auch, oder? Für den Genuss der Wurzel, also der Radieschenknolle, gibt es ausreichend viele und bekannte Varianten, etwa im Salat, auf dem Butterbrot, eingelegt …, da brauche ich euch nichts zu erzählen. Und nun habe ich endlich für das Radieschengrün eine Verwendungsmöglichkeit gefunden.

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Das Rezept fand ich auf einem meiner Lieblingsblogs, nämlich chocolateandzucchini.com. Im Prinzip habe ich am Originalrezept nichts verändert (natürlich habe ich etwas verändert), bloß hatte ich weniger Radieschenblätter zur Hand und Sonnenblumenkerne statt Pinienkerne genommen. Pinienkerne sind nicht wirklich aus regionaler Quelle erhältlich, Sonnenblumenkerne schon, daher fiel die Entscheidung leicht. Walnüsse könnte man auch nehmen, aber da besteht die Gefahr, dass das Pesto zu bitter wird. Und die Radieschenblätter sind sowieso schon etwas bitter. Sie schmecken außerdem ein bisschen scharf, aber nicht brennend scharf, sondern geschmacklich vergleichbar mit Brennnesseln.

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Das Pesto macht sich gut auf Nudeln, auf (getoastetem) Brot und in Salatdressings. Die Radieschenblätter sollten so frisch wie möglich sein, wenn sie welk sind, ist es zu spät.

Zutaten:

  • 1 Handvoll frischer Radieschenblätter
  • 15 g Parmesan
  • 15 g Sonnenblumenkerne (oder andere Nüsse)
  • 1 kleine Knoblauchzehe
  • 1/2 TL Zitronenzesten
  • 2 EL Olivenöl
  • Salz
  • Pfeffer

Zubereitung:

Die Stängel der Radieschenblätter entfernen, die Blätter waschen und gut abtropfen lassen. Den Käse reiben.

Alle Zutaten in eine zum Pürieren geeignete Schüssel geben und mit dem Stabmixer zerkleinern. Nach Belieben salzen und pfeffern. Zwischendurch mit einem Löffel verrühren, damit das Pesto gleichmäßig fein wird. Sollte das Endergebnis zu fest sein, einfach noch etwas Olivenöl dazugeben.

In einem luftdicht verschlossenen Behälter im Kühlschrank hält sich das Pesto einige Tage, besonders wenn auf die Pestooberfläche ein bisschen Olivenöl gegeben wird.

Rhabarberstreuselkuchen reloaded und ein Special Feature


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Es ist ja nicht so, dass mir nichts Neues mehr einfällt, aber ich werde hier tatsächlich ein Rezept posten, das ich auf diesem Blog schon einmal veröffentlicht habe. Gründe dafür? Erstens ist es das allerbeste Rhabarberkuchenrezept überhaupt, zweitens möchte ich einige Tipps und Tricks mit euch teilen und euch das Rezept wieder in Erinnerung rufen. Außerdem gibt es ein Special Feature am Ende des Rezeptes!

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Was ich in der Zwischenzeit gelernt habe, möchte ich nur zu gern mit euch teilen: bessere Streusel zu machen. Dafür sind zwei Schritte wichtig: die Butter zu schmelzen, bevor sie dann lauwarm zu Mehl und Zucker gerührt wird. Das ergibt schöne Klümpchen, also schon die Streusel. Und dann müssen diese Streusel unbedingt eingefroren werden. Es macht daher Sinn, die Streusel ganz am Anfang vorzubereiten, dann können sie während der Teigzubereitung schön tiefkühlen. Wenn sie in gefrorenem Zustand kurz vor dem Backen auf den Kuchen gegeben werden, behalten sie ihre Form besser. Wer aus Gründen die Butter nicht schmelzen möchten, sondern sie kalt in Würfel schneidet und sie mit Mehl, Zucker und Gewürzen abbröselt und zu einem Klumpen formt, sollte diesen ebenfalls in den Tiefkühler geben und dann vor dem Backen mit einer Reibe über den Kuchen reiben – auch so gelingt eine schöne Streuselkonsistenz.

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Außerdem stellt sich die leidige Frage: Soll Rhabarber geschält werden oder nicht? An sich ist die Schale nicht verträglich, zumindest im rohen Zustand. Gekocht ist das allerdings nicht so schlimm – und die hübsche Farbe bleibt erhalten, wenn er nicht geschält wird. Gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse besitze ich darüber jedoch nicht, es muss jeder und jede selbst entscheiden, wie sich das weitere Vorgehen gestaltet.

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Die angegebene Menge passt für eine Springform mit etwa 24 Zentimeter Durchmesser. Sehr viel größer sollte sie nicht sein, denn der Kuchen ist schon relativ niedrig. Achtung, der Kuchen muss beinahe eine Stunde lang backen – genügend Zeit einrechnen!

Zutaten:

Rhabarbermischung:

  • 500-600 g Rhabarber
  • 115 g Feinkristallzucker
  • 1 EL Saft einer ausgepressten Zitrone

Streusel:

  • 50 g Butter
  • 110 g Mehl
  • 35 g brauner Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 Prise gemahlener Zimt

Teig:

  • 100 g Butter (Zimmertemperatur)
  • 115 g Feinkristallzucker
  • 1 TL Zitronenzesten
  • 2 Eier
  • 145 g Mehl
  • 1 TL Backpulver
  • 1/2 TL Salz
  • 1 Messerspitze geriebener Ingwer
  • 70 g Sauerrahm

Zubereitung:

Rhabarber waschen, Enden wegschneiden, gegebenenfalls schälen. Rhabarber in ein Zentimeter dicke Stücke schneiden, mit Zucker und Zitronensaft in einer Schüssel vermischen. Beiseite stellen.

Butter für die Streusel schmelzen. Mehl, braunen Zucker, Salz und Zimt in einer Schüssel vermischen. Die geschmolzene Butter ein bisschen abkühlen lassen (lauwarm), dann mit einer Gabel in die Mehlmischung rühren. Es bilden sich nun schöne Streusel-Klümpchen. Die Streusel in den Gefrierschrank stellen.

Butter für den Teig mit dem Zucker in einer Küchenmaschine schön ausgiebig rühren bis er weiß und flaumig ist.

In einer separaten Schüssel mit einer Gabel das Mehl mit dem Backpulver, Salz und Ingwer vermischen. Die Springform vorbereiten: entweder bebuttern und bemehlen oder mit Backpapier auskleiden.

Dann die Zitronenzesten zur Butter-Zucker-Mischung geben. Die Küchenmaschine auf eine langsamere Stufe zurückschalten und die Eier einzeln einrühren. Wieder hinaufschalten und weiterrühren lassen, damit der Teig noch flaumiger wird.

Schließlich ein Drittel der Mehlmischung mit einem Schneebesen unter die nun flaumige Teigmasse heben, dann die Hälfte des Sauerrahms rasch unterheben, dann wieder ein Drittel der Mehlmischung, dann den restlichen Sauerrahm und dann das verbliebene Mehl-Drittel.

Schließlich den Teig in die Springform füllen, mit einem Teigschaber ebnen. Darauf die Rhabarberstückchen gleichmäßig verteilen. Die Rhabarbersirupmischung vom Boden der Schüssel zurückbehalten. Die Streusel aus dem Gefrierschrank nehmen und ebenfalls gleichmäßig auf dem Kuchen verteilen. Im Backrohr bei 180°C etwa 50-60 Minuten lang backen. Den Kuchen in der Form auskühlen lassen und dann erst herausnehmen und anschneiden.

Special Feature:

Die verbliebene Rhabarbersirupmischung in einem kleinen Topf einmal aufkochen und dann etwa zehn Minuten lang kochen lassen. Wenn sie abgekühlt ist in ein Glas füllen und mit Mineralwasser aufgießen – ergibt hervorragenden Rhabarbersaft!

Apfelschalentee (und Apfelmus)

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Apfelschalentee ist das neue Schwarz. Soll heißen: Trend. Im hiesigen Haushalt sind Apfelschalen bisher sofort in den Abfall gewandert – weder gibt’s ein Kaninchen oder ein Meerschweinchen noch ein Schweinchen, das sich darum annehmen könnte. Mir war das bisher aber nie so recht. Das mit dem Abfall, nicht mit der Tierhaltung in Stadtwohnungen. Wann immer es ging, habe ich Äpfel mitsamt Schale verarbeitet, aber Apfelmus etwa schmeckt schalenlos einfach besser. Ich habe auch versucht, Apfelschalen zu trocknen. Im Backrohr. Sagen wir so: Der Raumduft Note “Apfel” war gut. Über alles andere schweigen wir bitte.

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Im Internet (wo sonst) stolperte ich dann zufällig irgendwo über die Anregung, mit den Schalen einen Tee zuzubereiten, und schließlich brachte letztens der Falter (wer sonst), die Wiener Stadtzeitung, eine Kochanleitung für Apfelschalentee (Ausgabe 45/13): Man lasse Apfelschalen zehn Minuten in Wasser ziehen, so komme der “hauchzarte Apfelgeschmack” zur Geltung, außerdem füge man noch Süßungsmittel (Honig, Zucker oder Agavendicksaft) hinzu. Geh bitte! Ich hielt mich natürlich nicht an diese Rezeptur, sondern ließ die Apfelschalen mindestens eine Viertelstunde lang wild brodelnd kochen, verzichtete auf Süßungsmittel und – voilà – das Heißgetränk schmeckte INTENSIV nach Apfel, und auch süß. Es kommt vielleicht auf die Äpfel darauf an und das Verhältnis Wasser zu Apfelschalen. Der Tee hat übrigens eine schöne goldene Farbe mit einem Hauch Rosa, die leider aber auf meinen Fotos nicht wirklich zur Geltung kommt.

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Die Äpfel, die ich dafür genommen habe, waren äußerst wohlschmeckende steirische, Sorte mir unbekannt, aus dem Obstgarten von R. und E. (von wo auch die Isabellamarmelade stammt). Aus Gründen der Lagerung (wer hat in Wien schon einen Erdkeller) waren die Äpfel schon leicht angeschrumpelt als ich sie verarbeitet habe, aber davon darf man sich nicht abhalten lassen. Solange sie nicht faulig sind, kann man sie auf jeden Fall nehmen. Aus den geschälten Äpfeln könnte man wunderbares, süßes, fruchtiges Apfelmus herstellen, siehe unten, oder sie anderweitig verwenden, etwa wie hier.

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Apfelschalentee

Zutaten:

  • etwa sieben Äpfel (relativ klein) – unbedingt ungespritzt!
  • gut einen halben Liter Wasser

Zubereitung:

Äpfel schälen, die fauligen Stellen ausschneiden und entsorgen. Die Schalen in einen kleinen Topf geben, Wasser dazu. Gut fünfzehn Minuten lang brodelnd kochen. Topf vom Herd nehmen, Apfelschalen abseihen und entsorgen. Tee ist fertig.

Apfelmus

Zutaten:

  • etwa sieben geschälte Äpfel
  • ein kleines Stück Zimtrinde
  • zwei Gewürznelken
  • etwa einen Viertelliter Wasser

Zubereitung:

Die geschälten Äpfel in grobe Spalten schneiden und Kerngehäuse entfernen. Die Äpfel mit den Gewürzen und dem Wasser in einen kleinen Topf geben, Deckel darauf, und für etwa zwanzig Minuten auf sehr kleiner Flamme kochen. Darauf achten, dass es nicht anbrennt, hin und wieder umrühren. Fertig ist das Mus, wenn die Äpfel beim Umrühren von selber zerfallen. Vom Herd nehmen, Zimt und Nelken entfernen, noch einmal gut durchrühren. Wer es fein passiert haben will, nimmt dafür den Pürierstab. Das Mus etwas abkühlen lassen und servieren. Das Apfelmus passt hervorragend zu Kaiserschmarrn und wenn man es nicht gleich aufisst würde es sich im Kühlschrank einige Tage halten.

Striezel

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Dieses Wochenende war Allerheiligen. Traditionen und Bräuche werden im hiesigen Haushalt ernst genommen – und zwar in kulinarischer Hinsicht. Ausschließlich in kulinarischer Hinsicht eigentlich. Allerheiligen verlangt jedenfalls nach einem Striezel, und besonders nach einem enttäuschenden Striezelkauf vor ein paar Wochen hatte ich Verlangen nach einem guten Striezel. Aus dem nicht so guten Striezel habe ich Arme Ritter gemacht, die wurden dank Zugabe von Ei, Milch und Butter zum Glück hervorragend. Hervorragend ist auch der selbstgemachte Allerheiligenstriezel geworden und die Hälfte davon wurde bereits aufgegessen bevor ich dazugekommen bin, Fotos davon zu machen.

Butter und Marmelade sind wohl die klassischen Begleiter zu einem Striezel. Hier abgebildet ist eine hervorragende Trauben-Ingwer-Marmelade, selbstgemacht von meiner Freundin R. aus steirischen Isabella-Trauben aus ihrem Weingarten.

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Ich habe hier schon einmal ein Striezelrezept veröffentlicht und habe mich mehr oder weniger daran gehalten. Das ursprüngliche Rezept habe ich aus dem Kochbuch von Bad Ischls Konditormeister Zauner. Geändert hat sich, dass ich Trockengerm genommen habe. Daher veröffentliche ich nun ein aktualisiertes Rezept. Und im Unterschied zum vorigen Mal habe ich nur einen Striezel gemacht statt zwei, die Mengen also halbiert.

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Zutaten:

  • 1/2 kg Mehl (Universalmehl)
  • 1 Pkg Trockengerm (21 g)
  • 225 ml Milch
  • 60 g Feinkristallzucker
  • 1/2 EL Vanillezucker
  • 1/2 TL Salz
  • 2 Eidotter (1 1/2 Eidotter für den Teig, 1/2 Eidotter zum Bestreichen)
  • abgeriebene Schale von 1/2 unbehandelten Zitrone
  • 70 g Butter (Zimmertemperatur)
  • 1 Handvoll Rosinen (optional)
  • Hagelzucker zum Bestreuen
  • 1 EL Milch zum Bestreichen

Zubereitung:

Alle Zutaten aus dem Kühlschrank nehmen, damit sie Zimmertemperatur erreichen, bevor sie weiterverarbeitet werden. Mit einer Gabel das Mehl mit dem Germ in einer großen Schüssel mischen. Beiseite stellen. In einem kleinen Topf die Milch leicht anwärmen, aber nicht erhitzen. Vom Herd nehmen und Zucker, Vanillezucker, Salz, 1 1/2 Eidotter und Zitronenschale einrühren. Mit einem Löffel so lange umrühren, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Die Ei-Milch nun zum Mehl mengen (wer will: Rosinen dazugeben) und gut verrühren. Butter zum Teig geben und den Teig gut kneten. Anfangs mag der Teig noch klebrig sein, je länger er geknetet wird, desto seidiger wird er. So lange kneten, bis er sich gut von der Arbeitsfläche löst. Zu einer Kugel formen, in eine Schüssel geben und mit einem sauberen Geschirrtuch abdecken. Die Schüssel an einen warmen Ort stellen und den Teig mindestens eine Stunde lang gehen lassen, besser zwei Stunden. Die Schüssel kann in die Nähe eines Heizkörpers gestellt werden, allerdings nicht direkt darauf, und auch nicht an einen zugigen Ort.

Während der Teig geht hat man Zeit sich zu überlegen, wie man den Striezel flechten möchte. Anleitungen findet ihr zum Beispiel auf dieser Seite. Ich habe dieses Mal einen Sechserzopf gemacht und bin dieser Anleitung gefolgt: 

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(Quelle der Anleitung: meine Rezeptemappe. Die Kopie wurde in der Familie weitergegeben, Ursprung unbekannt. Wenn wer etwas weiß, bitte melden.)

Ist der Teig gut aufgegangen, wird er noch einmal gut und lang durchgeknetet. Dann in sechs gleich große Stücke teilen und zu runden Kugeln “schleifen”. Zum Schleifen mit der hohlen Hand und anfangs noch fast ohne Druck die Teigkugel kreisend auf der Arbeitsfäche bewegen, mit der Zeit den Druck erhöhen und die Bewegung größer werden lassen – so lange schleifen, bis die Kugeln eine schöne, geschliffene Oberfläche haben. Wer will, kann zu diesem Zeitpunkt die Kugeln noch einmal gehen lassen. Ich habe darauf verzichtet und aus den Teigkugeln gleich Stränge gerollt. Die sechs Stränge müssen gleich lang sein. Nebeneinander auf die bemehlte Arbeitsfläche legen, mit einem Küchentuch abdecken und noch einmal zehn bis zwanzig Minuten gehen lassen. Backrohr auf 180°C vorheizen.

Nun gemäß Anleitung aus den Teigsträngen einen Striezel flechten. Backpapier auf ein Backblech legen und den Striezel darauf. Den übrigen halben Dotter mit Milch verquirlen und den Striezel damit bestreichen. Hagelzucker großzügig daraufstreuen. Etwa 25 Minuten lang backen. Dann den Striezel herausnehmen und auf einem Gitter auskühlen lassen (zumindest vom heißen Blech nehmen). Genießen.

Arme Ritter

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Arme Ritter sind derzeit mein absolutes Lieblingsfrühstück. Warum das in Milch und Ei getunkte und herausgebackene Weißbrot so heißt, ist nicht wirklich klar. Vermutet wird, dass im Mittelalter getunktes altbackenes Brot von armen Rittern gegessen wurde und daher die Bezeichnung stammt. Wahrscheinlich wurde es nicht nur von armen Rittern gegessen, sondern generell von armen Leuten, die trockenes Brot verwerteten. Es hätte also genauso gut “Arme Bauern” oder “Arme Knechte” heißen können. Bekannt ist diese Speise jedenfalls überall auf der Welt – was die Schlussfolgerung zulässt, dass jedem und jeder einmal Brot hart wird. Im Französischen wird es “Pain Perdu” genannt, auch ein schöner Name. Die Englischsprachigen machen es sich leicht und sagen dazu “French Toast”. Im Oberösterreichischen wird es außerdem noch als “Pofesen” bezeichnet, abgeleitet von “pavese”, der Form der Ritterschilde aus Pavia. Es geht also auch da um Ritter. Mir ist jedenfalls wirklich schleierhaft, warum diese Speise in solch besonderer Verbindung mit Rittern steht.

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Wie dem auch sei. Jede Art von hart gewordenem Weißbrot und Brioche lässt sich gut zu Armen Rittern verarbeiten. Und Arme Ritter sind ein hervorragendes Frühstück, eine tolle Nachspeise, eine köstliche Süßspeise zum Nachmittagskaffee. Frisches Brot eignet sich dafür nicht, weil es durch das Tunken in Milch und Ei einfach nur patzig (im Sinn von klebrig) werden würde. Ich habe hier einen Briochestriezel (mit Rosinen) verwertet und Erdbeer-Kirschen-Marmelade dazugegessen. In den USA wird gerne Ahornsirup dazugereicht, manche bevorzugen Honig statt Marmelade, andere mischen ein bisschen Zimt zum Zucker.

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Zutaten für 1-2 Personen

Zutaten:

  • 4-5 Scheiben altes Weißbrot, vom trockenen Briochestriezel oder Ähnliches
  • 1 Ei
  • etwa 1/8 l Milch
  • Butter für die Pfanne
  • Staubzucker
  • Marmelade

Zubereitung:

In einem Suppenteller Ei und Milch mit einer Gabel gut verquirlen. Eine Brotscheibe in die Eimasse legen, etwa eine Minute ziehen lassen, dann wenden und ebenso lang darin lassen. In der Zwischenzeit in einer Pfanne Butter erhitzen – genug Butter, dass der Boden der Pfanne bedeckt ist. Darauf achten, dass die Butter nicht anbrennt. Die getunkte Brotscheibe in die Pfanne geben und auf beiden Seiten goldgelb braten. Die anderen Scheiben ebenfalls tunken und herausbraten. Es sollte immer genügend Butter in der Pfanne sein. Mit Staubzucker und Marmelade servieren.

Zwetschkenauflauf – Plum Crumble

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Ein Auflauf ist das spontane Zusammenströmen, Zusammenlaufen vieler erregter Menschen und die auf solche Weise entstandene Ansammlung auf Straßen und Plätzen. So lautet die erste Definition von Auflauf im Duden. Die zweite Erklärung lässt uns wissen, dass ein Auflauf eine im Herd (in einer feuerfesten Form) überbackene Mehlspeise ist. Dabei trifft zumindest bei mir meist beides gemeinsam zu: Es begibt sich nämlich, dass im Freundeskreis regelmäßig zum gemeinsamen Abendessen geladen wird – Menschen strömen also zusammen. Da eigentlich immer etwas passiert ist – ein beruflicher Aufstieg, eine Trennung, ein Umbruch in der nationalen und internationalen Politik – muss das besprochen und diskutiert werden. Dabei sind die beteiligten Menschen zumindest ab dem zweiten Glas Wein auch meist erregt. Speis und Trank sind oft nicht nur Anlass zum Zusammenkommen, sondern auch für Diskussion. Stichwort Herkunft, Nachhaltigkeit, Ernährungssicherheit. Und was hat das mit der zweiten Definition zu tun? Im Herbst und Winter wird bei solchen Zusammenkünften zum Nachtisch gerne ein warmes Dessert gereicht – etwa ein Zwetschkenauflauf.

Zwetschkenauflauf ist eigentlich gar nicht der Begriff, der dafür am häufigsten verwendet wird, sondern einfach meine eingedeutschte Version von “Crumble”. Ein Crumble wird, so hat mir das Internet verraten, vor allem in Großbritannien und den USA aufgetischt. Ich habe Gefallen daran gefunden und es in meine Küche integriert. Und eigentlich macht auch die Bezeichnung “Auflauf” Sinn.

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Weiter unten habe ich noch eine Version mit Äpfeln beschrieben.

Rezept für etwa 4 Personen

Zutaten:

  • etwa 3/4 kg Zwetschken (je nach Vorliebe mehr oder weniger)
  • 100 g Haferflocken (oder Dinkelflocken)
  • 100 g Vollkornmehl (oder helles Mehl)
  • 100 g brauner Zucker
  • 1 TL gemahlenes Zimt
  • 1/2 TL gemahlener Ingwer
  • 150 g Butter

Zubereitung:

Eine Auflaufform buttern. Zwetschken waschen, halbieren und den Kern entfernen. Die Zwetschkenhälften in die Form geben. Zur Zubereitung der Teigkruste Flocken, Mehl, Zucker, Zimt, Ingwer in einer großen Schüssel vermischen. Die kühlschrankkalte Butter in kleine Würfel schneiden, zur Mehlmischung geben und mit den Händen einarbeiten. Die Zutaten dabei nicht zu lange oder zu fest kneten, einfach zu groben Bröseln vermischen. Das Backrohr auf etwa 220°C erhitzen. Die Brösel bzw. die Streusel in Klumpen gleichmäßig auf den Zwetschken verteilen. Im Rohr etwa 30 Minuten lang backen oder bis die Kruste schön gebräunt ist. Abkühlen lassen, lauwarm servieren und am besten mit dem großen Löffel direkt aus der Form essen.

Apfelauflauf – Apple Crumble:

Den Obstauflauf kann man natürlich mit allen möglichen Früchten machen. Gut geeignet sind dafür Äpfel. Dafür einfach 4-6 große Äpfel statt Zwetschken nehmen. Außerdem werden noch 1/8 l Weißwein und 1 EL Vanillezucker benötigt. Sonst bleibt die Zutatenliste gleich. Die Zubereitung geht wie folgt: Auflaufform buttern. Äpfel waschen, schälen, entkernen und in grobe Stücke schneiden. Apfelstücke in die Form geben und mit Wein und Vanillezucker vermischen. Ziehen lassen. Währenddessen nach den Angaben oben die Teigkruste zubereiten und wie oben beschrieben weitermachen.